Adam et Ève
Neuerwerbung des Städel Museum Frankfurt für die ständige Sammlung.

2011

 

Diesen Brief schrieb Anton Räderscheidt aus seinem Exil als Austausch über seine Arbeit und die Kunst in Frankreich. Er beschreibt das Bild „Adam et Ève“ als verschaltes Paar.

Adam et Ève 1936 Öl auf Leinwand 146 cm x 113,7                              oben rechts und unten links:  Einladungskarte der Galerie de Beaune

...wofür schon das dritte Bild  des Monstren-Zyklus Zeugnis ablegt. Denn auch in dieser Strandszene ist das Motiv "der Badenden", das Räderscheidt seit seinem Hausbau an der Cote d'Azur beschäftigt und die Bilder aus den Jahren 1936 bis 1938 dominiert, surreal ins Apokalyptische verfremdet - wobei dieser Eindruck sicherlich durch die Reduktion der Farbe auf das Schwarzweiß des Fotos verstärkt wird. Die Figuren sind nun nicht mehr auf eine Fläche montiert, sondern harmonisch in einen plausiblen, wenn auch unwirklichen Raum gestellt, und sie werfen Schatten. Sie sind nicht mehr als Additionen von Kopf, Rumpf und Gliedmaßen wie die manichini der zwanziger Jahre konstruiert, sondern erscheinen innerhalb ihres geschmeidigen, wie eine Zellmembran wirkenden Konturs elastisch, nicht mehr starr und statisch, sondern selbst in unbewegter Haltung dyna­misch bewegt. Die Figuren sind bis zur Gesichtslosigkeit und Tilgung nahezu jeglicher Binnenzeichnung abstrahiert. Starke Helldunkelkontraste und raffinierte perspektivische Verkürzungen, deren virtuose Beherrschung nachträglich noch einmal, das Absichtsvolle im Ungelenken und hölzern Steifen der früheren Menschendarstellungen bezeugen, geben ihnen ein ausgesprochen plastisches und raumgreifendes Volumen und lassen sie wie gemalte Skulpturen erscheinen.
Der augenfälligste und wichtigste Wandel jedoch hat sich im Verhältnis der Figuren zueinander und in ihrer Beziehung zu sich selbst vollzogen. Die Menschen erscheinen nicht mehr als leere Gefäße, fremdbestimmt, lethargisch und teilnahmslos, sondern selbstbewusst, erfüllt und potentiell aktiv.
Das Paar, das die Szene dominiert, ist nicht mehr einsam, wie es zwei Menschen sind, die ohne Beachtung des anderen nebeneinander vegetieren, sondern intensiv aufeinander bezogen, ineinander geschmiegt wie zwei, die sich gegenseitig bedingen und füreinander da sind. Im Mittelgrund des Bildes erscheint noch eine leise Reminiszenz an die "einsamen Paare" und "Sportbilder" der zwanziger Jahre: Der "Mann mit steifem Hut", bekannt als Bezugsfigur des Betrachters, indem er diesen im Bild vertritt, und als Schausteller, der sein Objekt zur Betrachtung feilbietet, hat als athletischer Kouros eine andere Bedeutung erhalten. Seine Position ist durch die kompakte und voluminöse Übermächtigkeit des Paares und durch die links hinter ihm liegende Rückenfigur geschwächt