Im Hotel
"Bären" in Münchenbuchsee kam Anton Räderscheidt und seine Familie im
Oktober 1943, durch Fürsprache des Baseler Museumsdirektors Georg Schmid,
den er noch aus Köln kannte und der Ihn und seine Familie vor der drohenden
Ausweisung bewahrte in einer Mansarde als "Privatinternierter" ohne
Arbeitsgenehmigung
unter. Anton Räderscheidt schrieb in sein Tagebuch "Mir war das in der
Schweiz besonders schwer da sich alles gegen die Sprache sträubte, ich blieb
also beim Französisch, was in der deutschen Schweiz auch keinen starken
Kontakt ergibt. Der Vorteil war das ich jetzt als Franzose galt und
die Schweizer wild auf französische Malerei waren." Für einen
ausländischen Maler ist aber der Verkauf seiner Bilder verboten, wen er im
Lande lebt, so das die erzielten preise außerordentlich niedrig waren. Er
begann wieder zu arbeiten konnte aber seine Werke obwohl sie sehr begehrt
waren, kaum gegen bar verkaufen, sondern meist nur für Naturalien
eintauschen, er benötigte aber zunehmend mehr Geld um die Arztkosten der an
Krebs erkrankten Ilse Salberg aufzubringen.

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Hotel Bären in
Münchenbuchsee
Das Exil in der Schweiz bedeutet
für Räderscheidt wie für viele andere Künstler nicht nur schützendes
reservat relativer Freiheit sondern auch und nicht zuletzt wegen des
Arbeitsverbots für Staatenlose Ausländer eine nahezu hermetische
künstlerische und kulturelle Abgeschlossenheit von der Außenwelt. Zwar kam diese seiner Disposition
zum Einzelgänger- und Außenseitertum durchaus entgegen, doch selbst er
fühlte sich auf eine schwer erträgliche Weise isoliert. Kontakte nach
Frankreich und Deutschland, wo die freie Kunst zwar in den Untergrund
gedrängt worden war, aber weiterlebte, waren während des Krieges nicht mehr
möglich. Erst 1946 konnte Räderscheidt wieder seinen Briefwechsel mit Franz
Roh aufnehmen, den er aus der Schweiz mit Paketen versorgte. Seine Beziehung
zu anderen Exilanten, unter denen sich nur wenige bildende Künstler
befanden, beschränkte sich auf die Teilnahme an einer Ausstellung der >Peintres
refugies<, die 1944 in der Berner Kunsthalle stattfand. An weiteren
Verbindungen blieb ihm nur seine Bekanntschaft mit Georg Schmidt und, seit
seinem Umzug nach Bern im Jahre 1944, mit dem Sammler Hermann Rupf, der
regelmäßig bei ihm kaufte. Auch »mangels Außenleben« blieb ihm nur der
Rückzug in seine Malerei. Er arbeitete in nahezu völliger Abgeschiedenheit
und ohne äußere Stimulantien und entdeckte für sich alleine die Moderne
wieder, um sich in malerischer Auseinandersetzung mit ihr zu regenerieren. Räderscheidts
Rückbesinnung auf die Modernismen des frühen 20. Jahrhunderts entspricht
einer allgemeinen, mit dem Ende des Krieges einsetzenden Tendenz, die er,
begünstigt vom relativ freien und sicheren Leben in der Schweiz, früher als
die meisten seiner von der Hitler-Diktatur und der Lähmung des kulturellen
Lebens während des Krieges betroffenen Künstlerkollegen erfasst hat. |