Biographie


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Anton Räderscheidt 1927
Vintage von August Sander
© SK Stiftung Kultur-August Sander Archiv, Köln, VG Bild-Kunst, Bonn 1997

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Anton Räderscheidt 1923
Foto: Werner Mantz



Anton Räderscheidt 1956
Vintage von Chargesheimer
 

 
  • 1892
    Anton Räderscheidt wird am 11. Oktober als Sohn des Wilhelm Räderscheidt, Handelsschulrektor in Köln, am Blaubach geboren.

  • 1910-14
    Studium an der Kunstgewerbeschule Köln und Kunstakademie Düsseldorf bei Eduard Karl Franz von Gebhardt und Prof. Menschen. Seitdem Kontakt zur Rheinischen Avantgarde.

  • 1913
    Das erste Atelier in der Kölner Richard-Wagner-Straße.

  • 1914
    Entstehen der ersten Bilder mit konstruktivistischen Zügen.

  • 1915-1917
    Kriegsdienst, unter anderem auch vor Verdun, mit schweren Granatverwundungen.

  • 1917
    Nach Examen als Kunsterzieher im Realgymnasium Köln-Mühlheim tätig.

  • 1918
    Heirat mit Marta Hegemann

  • 1919
    Nach Referendarexamen, Beginn der freien künstlerischen Tätigkeit.
    Bekanntschaft mit Heinrich Hoerle und Angelika Hoerle, Franz Seiwert, Otto Baargeld, Hans Arp und Wilhelm Fick. Er gründet zusammen mit Hoerle, Seiwert und Fick die Gruppe "stupid" zu diesem Kreis gehören auch Marta Hegemann und Angelika Hoerle.
    Die Gruppe trifft sich im Atelier von Anton Räderscheidt am Hildeboldplatz Nr. 9, wo sie Ausstellungen ihrer Arbeiten veranstalten. Der einzige Katalog dieser Zeit "stupid 1" (1920)

    Als Initiative von Hoerle erscheint die Holzschnittmappe "Lebendige" die sie den ermordeten Sozialisten widmen.
    Diese Mappe trug starke expressionistische und konstruktivistische Züge. Kontakt zum Dada-Kreis um Max Ernst.
    In der Kölner Herbstausstellung, der "Gesellschaft der Künste" stellen sie nebeneinander aus. Im dadaistischen "Bulletin d" werden zwei figürliche Plastiken von Räderscheidt angekündigt. Vor Eröffnung der Ausstellung zieht er seine Arbeiten zurück, zeigt sie aber dennoch in der Hauptausstellung.

    Die Holzschnittmappe "Dramentage" erscheint.

    Es entstehen geometrische -figurale Bilder unter Einfluss der Italiener Giorgio de Chirico und Carlo Carrà.
     

  • 1920
    Erste Bilder mit dem Motiv "Das Paar". Die Wende vom expressionistischen und konstruktivistischen Maler zum "Magischen Realisten" vollzieht sich.

    Paul Multhaupt, Industrieller aus Düsseldorf wird sein erster Sammler.
     

  • 1923
    B. Traven, der seit 1917 in München den "Ziegelbrenner" herausgibt flüchtet mit Räderscheidt's Pass nach Mexiko.

  • 1925
    Es entstehen die ersten "Sportbilder" "Der bekleidete Mann und die hundertprozentige Frau".

    Beginn der öffentlichen Anerkennung, Franz Roh weist in seinem Buch "Nachexpressionismus" als erster auf Räderscheidt hin. Hartlaub lädt ihn als einzigen Kölner zur Ausstellung "Neue Sachlichkeit" in Mannheim ein.
    Entstehung der "Gruppe progressiver Künstler" um Hoerle, Seiwert, Jankl Adler, Hans Schmitz, Otto Freundlich, Raoul Haussmann, Margarete und Stanislaw Kubicki. Ständige Zusammenkünfte im "Café Monopol"

  • 1926
    Reise nach Südfrankreich. Es entstehen Aquarelle und Zeichnungen.
    Das neue Bildthema heißt "Maler und Modell".

  • 1927
    Umzug in das neue Atelier in Köln-Bickendorf

  • 1928
    Bekanntschaft mit Heinrich Maria Davringhausen. Es entstehen gegenseitige Portraits.

  • 1929
    Für die Ausstellung des "Deutschen Künstlerbunds" wird Räderscheidt juriert.
    Das neue Thema: Straßenmotive mit isolierten Einzelfiguren.

  • 1931
    Kein künstlerischer und persönlicher Kontakt mehr zur Gruppe Progressiver Künstler.

  • 1933
    Er macht die Bekanntschaft mit den Mäzene Rudolf Metzger und Ilse Metzger-Salberg. Räderscheidt erwägt Deutschland zu verlassen. Er unternimmt eine Reise nach Italien und malt Städtebilder von Rom und Neapel.

  • 1934
    Zum Jahresende verlässt Räderscheidt Köln und zieht mit seiner neuen Lebensgefährtin, Ilse Metzger-Salberg, zunächst nach Berlin an den Motzensee.

  • 1934/35
    Emigration nach Frankreich über die Schweiz und England.

  • 1937
    Atelier in Paris, Rue des Plantes, ein Wiedertreffen mit Max Ernst als Nachbar. Mitglied der "Surindépendants". Er baut sein Haus "Le Patio" in Sanary sur Mer/ Toulon.

  • 1938
    Seine Arbeiten sind stark farbige Figurenbilder (Exilwerk)

  • 1938
    1. Internierung in "Les Milles" auf Veranlassung der Franzosen, die den Deutschen Flüchtlingen nach der Kriegseröffnung nicht mehr trauten. nach 17 Tagen wieder frei!

  • 1939
    Er wohnt in Sanary sur Mer und kocht für die befreundeten Emigranten Thomas Mann, Lion Feuchtwanger, Alfred Kantorowicz.

  • 1940
    21. Mai die 2. Internierung in "Les Milles", einer ehemaligen Ziegelei bei Toulon, mit Feuchtwanger, Kantorowicz, Hasenclever.

    21. Juni, Walter Hasenclever, Lagernachbar von Räderscheidt vergiftet sich aus Angst vor den vorrückenden Deutschen.

    22. Juni Waffenstillstandsvertrag durch General Pétain.

    Abtransport im "Geisterzug" nach Bayonne zur Auslieferung an die Deutschen. Räderscheidt, Davringhausen und Kantorowicz gelingt die Flucht und er kann untertauchen.

  • 1942
    Nach einer Razzia durch die französische Gendarmerie, bei der Ernst Meyer der Sohn von Ilse Salberg verhaftet und anschließend in ein Deutsches KZ gebracht wird, gelingt Ihnen die Flucht von ihrem Versteck in Barjols (Departement Le Var ) in den französischen Seealpen. Ein Metzger aus Barjols Lucien Coquillats versteckt Sie unter seiner Ware und bringt Sie an die Schweizer Grenze, die Räderscheidt gemeinsam mit Ilse Salberg, und deren Tochter Brigitte Metzger illegal übertritt.

    1943
    Nach erneuter Internierung wurde er durch Fürsprache des Baseler Museumsdirektors Georg Schmidt von einer Ausweisung verschont und bekam eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung als "Privatinternierter" im Hotel "Bären" in Münchenbuchsee.

  • 1947
    Für die Schweizer Kunstsammler, die seine "Französische Malerei" (Postexpressionistisch und Postkubistisch) überaus schätzen, arbeitet Räderscheidt wie besessen um die Arztkosten der an Krebs erkrankten Ilse Salberg zu bezahlen. Nach dem Tod von Ilse Salberg verkauft er sein ganzes schweizerisches Oeuvre an die Galerie Marbach aus Bern und geht mit Brigitte, der Tochter von Ilse Salberg nach Paris.

    Ernst Meyer stirbt im Konzentrationslager Auschwitz .

    Wieder in Paris stellt er den Verlust seiner im Pariser Atelier hinterlassenen Bilder, darunter auch Bilder der Neuen Sachlichkeit, fest und erstattet Anzeige gegen unbekannt.

  • 1948
    Bekanntschaft mit Gisèle Ribreau, die er später heiratet.

  • 1949/50
    Durch Existenzsorgen bedingte Rückkehr nach Köln. Schwieriger Neuanfang. Das Überleben wird durch Portraitauftragsarbeiten, Pferde und Landschaftsbilder ermöglicht.

  • 1956
    Nach den schweren Anfangsjahren malt er harmonisch-rythmisierte Pferdebilder.

  • 1957
    Beeinflußt durch die Westdeutsche Kunstszene, dem Informel und der "Ecole de Paris" deren Ziel die Abkehr vom Gegenständlichen war, geht Anton Räderscheidt den Schritt in die Abstraktion und schafft bis 1964 ein umfangreiches Werk.

  • 1963
    Einzug in das neue Atelierhaus in der Landsbergstraße in Köln

  • 1965
    Beginn einer Serie von Schwarz-Weiß Bildern mit der Thematik Straßenszenen, Menschenansammlungen und das immer wiederkehrende Thema "das Paar".

  • 1967
    Infolge eines zerebralen Schlaganfalls, mühsames wiedererlernen des Sehens. Es entstehen die Serien "Selbstportraits", Handstudien und stark expressive Temperabilder.

  • 1970
    Am 8. März stirbt Anton Räderscheidt in Köln.

 

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