Hannes Maria Flach

1901-1936

 





Großes Ey, wir loben Dich,
Ey wir preisen deine Stärke.
Vor dir neigt das Rheinland sich
Und kauft gern und billig deine Werke!

Max Ernst 1929

Max Ernst „Au rendez-vous des amis“ 1922,
Öl auf Leinwand, 130 x 195 cm, Museum Ludwig


Ein Film von Maria Hemmleb und Christian Bau

Deutschland 1992

"Au rendezvous des amis" - Rendezvous der Freunde nennt Max Ernst 1922 ein Gemälde, das seine Pariser Freunde zu einem Gruppenbild zusammenfasst. Die rätselhafte Avantgardisten-Versammlung gilt heute als Schlüsselwerk des Surrealismus. Die Geschichte dieses Bildes, das im Laufe der Zeit alle Stadien der Bewertung durchlief: von der wenig beachteten Arbeit eines jungen Künstlers bis zur Verurteilung als "entartete Kunst" in der Nazizeit, über das weitgehende Desinteresse Anfang der 50er Jahre bis zum unangefochtenen Klassiker-Status von heute.
Als Max Ernst 1924 Geld für eine Saigon-Reise braucht, verkauft er das Bild an seine Kunsthändlerin Johanna Ey. In den 20er Jahren ist ihre Düsseldorfer Galerie das Zentrum der rheinischen Künstler-Avantgarde. Hier hatte Max Ernst seine erste Einzelausstellung. In der Nazizeit wird Johanna Ey der Kunsthandel untersagt. Ihre Sammlung gilt als "entartet" und wird zum Teil beschlagnahmt. Die Kunsthändlerin gerät so sehr in Not, dass sie erwägt, ihre letzten Bilder gegen Lebensmittel zu tauschen.
In der Galerie "Neue Kunst Frau Ey" sehen Lydia und Artur Bau 1929 zum ersten Mal Werke von Max Ernst. Es entwickelt sich eine lebenslange Freundschaft mit der Kunsthändlerin. Auch während der Nazi-Zeit kaufen sie von Johanna Ey Bilder und Zeichnungen jetzt offiziell als "entartet" klassifizierter Künstler.
1941, nach den ersten Bombenangriffen auf Düsseldorf, erhält das Ehepaar Bau eine Kiste, Inhalt unter anderem: Max Ernst´s "Au rendezvous des amis" und "La mort de Max Ernst" von Robert Desnos.

Was Werner Graeff und Franz Roh theoretisch begründeten  und an Beispielen erläuterten und Künstler wie Laszlo Moholy-Nagy und Alexander Rodtschenko in der Photographischen Praxis entwickelten, ist auch anhand der Photographien von Hannes Maria Flach nachvollziehbar. Die Kamera nimmt auf, was das Auge sieht, wenn es unbeeinflusst von geltenden Bildgesetzen umherblickt.

Es ist bezeichnend, dass in diesem Zusammenhang vom Neuen Sehen und nicht vom Neuen Photographieren gesprochen wird. Denn das Neue beruht tatsächlich in weit höherem Masse auf Entdeckung des Auges als in Neuartigen Möglichkeiten der Kamera

Anton Räderscheidt 1931 Photo Hannes Maria Flach / Vintage

Hannes Maria Flach

der 1901 geboren wurde war in seinem ausgeübten Beruf Handelsvertreter der AEG Düsseldorf und war erst nur Amateurphotograph. 1925 hatte er erste Ausstellungsbeteiligungen bis er schließlich 1930 seinen bisherigen Beruf aufgab und ausschließlich Photograph wurde.

1928 hatte er sein Atelier in Zollstock und arbeitete als freier Bildjournalist. Von den konventionellen Anfängen zeitgemäßer Motive im gefälligen Bromöldruck zu Pressephotographischer Arbeit, die vermutlich dem Erwerbszwang unterlagen führte ihn der Kontakt zu den Kölner Progressiven und zur Auseinandersetzung mit der Photographie von Moholy-Nagy und Alexander Rodtschenkos.

Photographiert von allen Blickwinkeln aus, nur nicht vom Bauchnabel aus, bis alle diese Blickwinkel anerkannt sind“

sein durch die Wirren des Krieges sehr dezimiertes Werk lässt vermuten welch ein großer Verlust sein früher Tod führ die Welt der Photographie bedeutet. Er wurde in Russland mit Rodschenko verglichen wenngleich seine Photographie nicht so radikal und kompromisslos wie die Rodschenkos war.


Flach wurde 1936 mit nur 34 Jahren im Streit um ein Taxi von einem SS-Mann in der Stolkgasse in Köln erstochen.


Marta Hegemann 1931 Photo Hannes Maria Flach / Vintage

Mutter Ey im Gespräch mit Joseph Haubrich und Museumsdirektor Klug in Köln


Photo Hannes Maria Flach 1928 / Vintage

Atelier 1928 Photo Flach / Bromöldruck

eine der merkwürdigsten Aufnahmen dieses Bandes ist das, auf dem Hannes Flach einen Frauenkörper fast schmerzhaft real in eine alltägliche Umgebung stellt, das Bild kippelt auf der Grenze – aber die Frau hat gesiegt

Peter Panter (Pseudonym von Kurt Tucholsky)

Die Weltbühne, 27.08.1929


Selbstportrait als der Rufer 1928 Photo Hannes Maria Flach

Selbstportrait Photo Hannes Maria Flach

Hohenzollernbrücke Köln
Photo Hannes Maria Flach

Domstufen Köln
Photo Hannes Maria Flach

Anton Räderscheidt 1931
Photo Hannes Maria Flach / Vintage

Komposition
Photo Hannes Maria Flach

Heinrich Hoerle 1931
Photo Hannes Maria Flach

Berlin U-Bahn
Photo Hannes Maria Flach

Berlin, Friedrichstrasse
Photo Hannes Maria Flach